8. Oktober 2009 DIE LINKE. Paderborn, Holger Priebe

Thilo Sarazzins Welt

Die migrationspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Sevim Dagdelen, fordert den Rücktritt des ehemaligen Finanzsenators Berlins und heutigem Bundesbank-Vorstands.

In einem Interview mit Lettre International hatte Thilo Sarazzin Anfang Oktober das Integrationsproblem besonders von Türken und Arabern in Berlin dargelegt. In seiner Darstellung liegt das Hauptproblem in der Integrationsunwilligkeit der Migrantinnen und Migranten:

"Jemanden, der nichts tut, muß ich auch nicht anerkennen.
Ich muß niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für siebzig Prozent der türkischen und für neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin."

Das gesamte Interview



Sevim Dagdelen: Sarrazin muss zurücktreten

    Berlin (ots) - Nach den Äußerungen des früheren Berliner Finanzsenators und heutigen Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin zur Integration von Migrantinnen und Migranten in Berlin fordert Sevim Dagdelen dessen Rücktritt. Die migrationspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE erklärt:

    "Sarrazin hat einer langen Reihe unrühmlicher Verbalausfälle gegen benachteiligte soziale Gruppen in chauvinistischem, elitistischem und unverblümt rassistischem Ton eine weitere Note hinzugefügt. Der biedere Sozialdemokrat spielt mit dem Feuer, wenn er derart nach Stammtischmanier vom Leder zieht. Man fühlt sich unwillkürlich an die Ratten-Vergleiche des stolz-preußischen Generals a.D. Jörg Schönbohm erinnert. So denkt und spricht Elite? Dann ist das ein Grund mehr, sich diesem Konzept entgegen zu stellen und für eine Gesellschaft einzutreten, die kein arm und reich, kein wir und die kennt.

    Wer von ungenutzten Chancen redet, darf von den Hindernissen nicht schweigen, mit denen Migrantinnen und Migranten sich konfrontiert sehen. Erstens kann eine jahrelang mutwillig betriebene Politik der Ausgrenzung und Desintegration nicht den Betroffenen angelastet werden. Zweitens sind Sarrazins so genannte Tatsachenfeststellungen unzutreffend Sie verschleiern den Blick auf die soziale Situation in anderen Kiezen, die nicht zuletzt ein Ergebnis der verkehrten Haushaltspolitik des Finanzsenators Sarrazin ist. Zudem unterschlägt Sarrazin die Tatsache, dass Integration eine soziale Frage ist und keine ethnische, kulturelle oder gar religiöse. Das hat erst kürzlich eine Sinus-Studie bestätigt."

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