24. März 2017 Linksfraktion Salzkotten

Über Schadstoffbelastung und Gesundheitsgefahren

V.l.n.r.: Holger Drewer, Dr. Karsten Schulze und Paul Weitkamp

Verlässliche Analysen der Luft und der Schadstoffe an lokalen Messpunkten müssen dringend zusammengetragen und ausgewertet werden, um zu gesicherten Werten zu gelangen. Das war die zentrale Forderung des Lungenspezialisten, Dr. Karsten Schulze, Chefarzt an der Karl-Hansen-Klinik in Bad Lippspringe. Er referierte und diskutierte am 22.3.2017 in der Gaststätte Kruse auf Einladung der örtlichen Linksfraktion zum Thema "Das ist die Salzkott´ner Luft – Verkehrsdichte, Schadstoffe und Gesundheitsgefahren".

Einleitend verwies Paul Weitkamp, Vorsitzender der örtlichen Linksfraktion, auf ein lokales Beispiel, wie sehr sich Abgase und andere Faktoren unmittelbar gesundheitsgefährdend auswirken können.

In der "Sälzer Quelle" vom Herbst 2016 wird von einer Frau berichtet, die sich zum Stadtzentrum aufmacht um einzukaufen. In Höhe der B1 wird ihr schlecht und sie kehrt ohne Einkauf nach Hause zurück." Kein Einzelfall", heißt es.

Dr. Schulze berichtet von einem seiner Patienten in Berlin, der im Alter von 70 Jahren immer noch noch sportlich fit ist und regelmäßig Fahrrad fährt; er klagt über Luftnot. Die Diagnose: ihm fehlt ein halber Liter Lungenvolumen über deren altersbedingte Abnahme hinaus. Die wahrscheinliche Ursache für seine Luftnot ist der Feinstaub in der Berliner Luft.

Feinstaub sind superfeinste Partikelchen, die bis in die Luftbläschen hinein gelangen und dort nicht abgebaut werden können, weil es sich um nicht organische Stoffe handelt. Die Risikofaktoren aber sind sehr abhängig vom persönlichen Verhalten einerseits und dem Lebensraum andererseits. 90 % der Atemwegerkrankungen gehen auf Rauchen zurück, 10 % auf Luftverschmutzung. Letztere variiert im städtischen Raum zwischen 15-20 µg/ m³ und in Ballungsgebieten zwischen 20-25 µg/ m³. Der zulässige Jahresmittelwert beträgt 40 µg/m³.

Die Belastung und ihr gesundheitsgefährdendes Potenzial ist außerdem abhängig vom Wetter und von nahem Wald. Regen und Bäume bzw. Sträucher reinigen nämlich. Trotz bundesweit gesunkener Werte ist die durchschnittliche Belastung immer noch in der Nähe des Grenzwertes, so Dr. Schulze. In der Nähre der B1 potenzieren sich sicherlich die Gefährdungsmomente.

Der Zusammenhang zwischen Luft- und Feinstaubbelastung mit der Sterblichkeitsrate ist nicht abschließend geklärt. Denn Sterben hat viele Faktoren. Eine NRW-Studie zeigt, dass eine 34 % höhere Sterblichkeitsrate festzustellen ist, wenn die Feinstaubbelastung um 7 µg/ m³ (Millionstel Gramm pro  Kubikmeter) steigt.

Nicht Feinstaub allein schädigt die menschliche Gesundheit. Weitere Schädigungen entstehen durch Gummiabrieb, Schwermetalle, PFT, Quecksilber und Spritzmittel, wie ein Besucher einwarf. "Nur umfassende Messungen können hier Klarheit bringen", so Dr. Schulze.

Die Umgehungsstraße ist mehr als überfällig; darin waren sich alle Anwesenden einig. Dringend müsste die extreme Verkehrsdichte, besonders der Lkw-Verkehr in der Stadt beobachtet, kontrolliert und eventuell geahndet werden; denn zu viele LKW missachten ungestraft das Durchfahrverbot für Lkw. Wenn Kontrolle und Verwarnungen nicht reichen, "schimpfen" Anlieger, dann müsse überlegt werden, (Lkw-)Ampeln an den Ortseingängen zu errichten.

Auch Tempo 30-Zonen können positive Effekte und sauberere Luft bewirken, wenn der Verkehr flüssiger wird." Bremsen ist das Problem", so der Autofahrer und Lungenexperte Dr. Schulze.

Die Linksfraktion Salzkotten wird weiterhin darauf dringen, dass die geplante Umgehungsstraße schnellst möglichst umgesetzt wird, die Schadstoffbelastungen entlang der B1 in der Innenstadt ermittelt und ausgewertet werden und Maßnahmen zur Reduzierung der Schadstoffproduktion diskutiert und umgesetzt werden. Nur dann entwickeln die Innenstadt und auch der Einkaufsbereich eine höhere Attraktivität und hat vielleicht weniger Leerstände.