17. März 2012 Kathrin Vogler

Empörendes Moralverständnis des Schützen-Bundes

Schutz vor Diskriminierung gehört in das Grundgesetz

Die Entscheidung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS), zukünftig schwulen Königs- und Prinzenpaaren den gemeinsamen Auftritt zu verbieten, hat auch bei der linken Bundestagsabgeordneten Kathrin Vogler für Empörung gesorgt.

Frau Vogler, die in Paderborn ein Bürgerinnenbüro unterhält, kann der Argumentation des Schützenbundes in keiner Weise folgen: „Einerseits lassen die Schützenbünde es zu, das weiterhin Schwule Schützenkönig werden, andererseits sollen diese nicht mit ihrem Partner auftreten dürfen. Das ist eine unerträgliche Doppelmoral! Unter dem Vorwand christlicher Werte soll eine als fremdartig empfundene Lebensweise aus der Öffentlichkeit des Vereinslebens verbannt werden. Wer allerdings im Jahre 2012 offen schwul lebende Männer als fremdartig empfindet, hat kein Problem mit Schwulen sondern mit sich selbst. Im Übrigen gibt auch das Frauenbild der Schützenvereine Anlass zur Kritik: Frauen nur als Dekoration für Männlichkeitsrituale zuzulassen und ihnen gleiche Teilhabe am Vereinsleben zu verweigern ist ebenfalls höchst bedenklich. Es ist bedauerlich, dass das Vereinsrecht solche Diskriminierungen zulässt und diese Vereine nicht nur als gemeinnützig gelten sondern teilweise auch noch mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Deshalb fordert DIE LINKE schon seit Jahren, dass der Schutz Homosexueller im Grundgesetz verankert wird.“

Kathrin Vogler möchte aber nicht nur den rechtlichen Schutz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften verbessern sondern auch für Offenheit werben: „Man bedenke nur, dass in diesem Jahr im Heinz-Nixdorf-Forum die Ausstellung über Alan Turing gezeigt wird, der die führende Rolle bei der Entschlüsselung der Nachrichten-Codes der deutschen Wehrmacht hatte und so wesentlich zur Beendigung des zweiten Weltkriegs beigetragen hat. Turing, einer der größten Mathematiker dieser Zeit, nahm sich 1954 das Leben, da er den Repressionen, denen er aufgrund seiner Homosexualität ausgesetzt war, nicht mehr Stand zu halten vermochte.“